Kapitel in Polen 2015 - Emotionen und Gedanken eines neuen Ritters

Investitur –Feier des Großpriorats Polen des OMCTH am 16.-18.10.2015 in Zabrze/Kattowitz

Nach Zabrze soll ich? Muss ich, ich will ja meine Investitur. Aber wie komme ich dort hin? Mit der Bahn: über Regensburg, Passau, Wien, Kattowitz. 13 Stunden Fahrzeit. Die Deutsche Bahn berücksichtigt nicht, dass die Polnische Bahn an diesem Wochenende den Fahrplan ändert. Die Anschlüsse verschieben sich, draußen regnet es, von Bayreuth bis Zabrze. Nach dem Terminplan ist am Freitag um 20:00 Uhr Dinner. Um 19:30 Uhr sind wir  noch in Zabrze auf dem Bahnhof, noch 8 km Taxifahrt zum Hotel. Es regnet. Einchecken, Speisesaal. Wie wird man uns empfangen? Alle in feierlichem Schwarz, meine Frau und ich noch in Reisekleidung. Die Zeit!

Kaum haben wir den Saal betreten, springen der polnische Großprior Krzysztof und seine Frau auf, kommen auf uns zu, begrüßen uns und führen uns an unsere Plätze. Händeschütteln über den Tisch hinweg, freundliches Kopfnicken, wir sind bei Brüdern und Schwestern.
Nach dem Abendessen berichtet der Vertreter des Patriarchen, Erzbischof Eliasa Chacour über die Verhältnisse in seiner Heimat, über das Energiezentrum des christlich-jüdisch-muslimischen Di-alogs, über die von ihm gegründete erste christlich-arabische Hochschule, von den rund 4.500 Studenten sind mehr als die Hälfte Frauen und Muslime: Hass kann überwunden  werden, Frieden ist möglich.
Samstag nach dem Frühstück Konvent. Nach dem Plan „white tie“, alle haben „schwarze Fliegen“. Vortrag und Diskussion über in-vitro-Fertilisation, in polnischer Sprache. Evelyn, die Frau eines polnischen Bruders, übersetzt für den Legaten, einen irischen Priester und für uns Deutsche ins Englische. Anstrengend!
Samstag nach dem Mittagessen Fahrt zur St.-Anna-Kirche in Zabrze, dem Ort der Investitur-Feier. Wie kommen wir aber dort hin? Kein Problem, Evelyn kommt, lädt den irischen Geistlichen, meine Frau und mich ein, die Einladung gelte auch für die Rückfahrt. Zunächst aber nach Plan „drill (training of he procession)“, man überlässt nichts dem Zufall.

15:00 Uhr: Es ist soweit! Feierlicher Gottesdienst mit Erzbischof Eliasa Chacour, einem polnischen Geistlichen mit violetten Paspeln, unserem irischen Bruder sowie einem weiteren polnischen Geistlichen. Dann tritt man an den Altar, legt die Hand auf das Evangeliar, spricht sein Gelübde. Acht Knappen sind es mit mir.  Man ist allein, alle Blicke ruhen auf dir. Ist es richtig, was du tust, worauf du dich vorbereitet hast? Wo findet mein Blick Hilfe? Dann kommt unser Sub-Prior Alexander mit dem Schwert: dreimal senkt es sich auf dich, rechte Schulter, linke

Schulter, Scheitel. Fast 1000 Jahre Geschichte senken sich auf dich, liegen schwer auf dir. Die Augen werden feucht, du schluckst. Jetzt bist du Ritter im OMCTH.
Nach dem Gala-Dinner am Abend Präsentation der Urkunden, der Medaillen und Ernennungen.

Am Sonntag nach dem Frühstück brüderliches Treffen im Hotel mit einem weiteren längeren Referat über das Teuflische in Presse und Werbung.
Nachmittag findet in St. Bartholomäus in Gleiwitz, einer Temp-lerkirche aus dem 13. Jahrhundert, eine weitere Investiturfeier eines polnischen Bruders statt. Ich gehöre jetzt ja bereits dazu.

Weitere 15 Stunden Bahnfahrt über Breslau, Posen, Frankfurt/Oder, Berlin und Leipzig nach Bayreuth (die Strecke über Wien war wegen Bauarbeiten gesperrt), fielen nicht mehr ins Gewicht.

Fra. Gernot Kolaczek
Ordenshaus St. Klilian/St. Laurentius Bayern