Christliche Präsenz im Heiligen Land
[Patriarch Gregor III. Laham]

Im Neuen Testament beschreibt die Apostelgeschichte das Wachsen der Kirche in Jerusalem.GregorIII

In der Zeit Konstantins waren die Christen zur Mehrheit geworden und blieben es bis zum Niedergang der Kreuzzüge. Durch religiösen Druck, wirtschaftliche Krisen, Kriege usw. traten viele Christen zum Islam über. So kam es zur heutigen Lage, in der die Christen eine verschwindende Minderheit darstellen.

Heute leben unter den 7-8 Millionen Einwohner des Heiligen Landes nur noch 130.000 - 160.000 Christen der verschiedenen Konfessionen, darunter die Melkiten mit 63.000. In Jerusalem lebten vor 50 Jahren noch 40.000 Christen, heute sind es noch 11.000.

Die Auswanderung schreitet fort. Bedrängt durch die politische, wirtschaftliche und soziogesellschaftliche Lage (Verzögerung des Friedensprozesses), werden die christlichen Gemeinden immer schwächer. Trotz immer weniger werdender Zahl der Christen wollen wir den Geist der ersten Christengemeinde bewahren. So sehe ich meine Aufgabe als Bischof und Hirte in Jerusalem heute. Wir wollen durch unsere Schulen, Kliniken, Sozialeinrichtungen, wie durch unsere Wohnungsbaupolitik und nicht zuletzt durch unseren Pastoraleinsatz diesen Geist pflegen und unsere Christen davon überzeugen, dass sie Nachfolger der Apostelgemeinde sind und weiter ihr Zeugnis für Christus geben sollen durch ihr Miteinander und ihren Dienst. Nur dadurch können sie motiviert werden, trotz aller Schwierigkeiten im Heiligen Land zu bleiben.

So sind sie Sauerteig in Mitten von Islam und Judentum und nicht Ghettokirche die keine Hoffnung und Zukunft hat. Und so möchte ich meine Leute für das Jubiläum für das Jahr 2000 vorbereiten, weil es auch 2000 Jahre Präsenz des Christentums bedeutet an den Orten des Heils Bethlehem , Nazareth, Jerusalem usw. Sie ist ein historischer Bezugspunkt, dass Christus Mensch wurde im Heiligen Land, in Bethlehem geboren, in Jerusalem gestorben und auferstanden.

Mit unseren Brüdern in Europa wollen wir uns ermunternd mit den Worten Jesu: "Das Weizenkorn stirbt um zu leben - fürchte dich nicht, du kleine Herde". Nach Karfreitag kommt Ostern, nach dem Kreuz die Auferstehung! So wollen wir weiter Zeugnis ablegen für die Botschaft Jesu.

Unseren Freunden vom Templer-Orden von Jerusalem, die diese Botschaft lesen, danken wir herzlich für ihre tatkräftige Unterstützung unseres Dienstes im Heiligen Land. Sie helfen mit, an der Präsenz der Christen im Heiligen Land durch Ihre Taten! Gerne gedenken wir euch und allen Freunden und Wohltätern in der Geburtsgrotte von Bethlehem und an den anderen Orten unseres Heils.

 

 

Mit Liebe und Segen
Signatur



 
(geschrieben als Weihnachtsbrief 1999,
in seiner damaligen Funktion als Patriarchalvikar von Jerusalem)